
Die Ruhe des heutigen Fischerhafens täuscht über die Dynamik und die Bedeutung, die er in der Vergangenheit für die Stadt und für das Wirtschaftsleben der ganzen Insel besaß, hinweg. Der Ursprung und die Entwicklung von Puerto de la Cruz ist bis Anfang 19. Jahrhundert fast ausschließlich mit den Hafenaktivitäten verknüpft, die laut einigen Historikern schon vor der Stadtgründung bestanden.
Der Bau der Hafenanlage folgte der Notwendigkeit, für die Kommerzialisierung der Agrarerzeugnisse aus La Orotava einen Zugang zum Meer zu schaffen. Der Cabildo (Inselrat) von Teneriffa stimmte dem 1506 zu, wenngleich sich der Hafen anfänglich nicht an seinem derzeitigen Platz befinden sollte, sondern an der Mündung des Barranco de San Felipe (in der heutigen Zone Playa Jardín); später hieß er „Puerto Viejo“. Der nur dürftig ausgestattete Hafen wurde für den Export von Zucker, Getreide und Fisch benutzt, und gleichzeitig für die Löschung von Waren und Manufakturartikeln aller Art. In dieser anfänglichen Blütezeit wurden 80% aller Exporte des Archipels über den Puerto Viejo abgewickelt, so dass ihm Felipe IV. die Auszeichnung „Llave de la Isla“ (Schlüssel zur Insel) verlieh. Doch die unzureichenden Konditionen des Standorts von Puerto Viejo machte die Suche nach einem neuen erforderlich und aus dieser Initiative tauchte der „Puerto Nuevo” (der heutige Fischerhafen) auf, was in bedeutender Weise auf die urbanistische Entwicklung der Stadt Einfluss nahm.
Während der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts kam dem Handel von Rohrzucker die größte Bedeutung zu, doch schon in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts übernahm die Kommerzialisierung des Weins die führende Rolle in der Entwicklung des Handels und damit auch des Wachstums von Puerto de la Cruz.
Fast 200 Jahre lang konnte die Hochkonjunktur aufrechterhalten werden, doch gegen Ende des 17. Jahrhunderts begann der Niedergang aufgrund der Verluste der Kolonialmärkte von Portugal und England, der Konkurrenz der italienischen Weine und dem spanischen Sherry, den hohen Steuern und Gebühren, die den insularen Weinen im Laufe ihrer Kommerzialisierung auferlegt wurden, sowie ein Umschwung der Nachfrage zu Produkten geringerer Qualität.
Trotz allem blieb die Mole von Puerto während des 18. Jahrhunderts eins der dynamischsten Hafenzentren des Archipels und zusammen mit dem von Santa Cruz das wichtigste von Teneriffa.
Anfang 1723 wurde, im Rahmen der von der spanischen Krone verordneten Zentralisierung von Handel und Häfen, die Comandancia General nach Santa Cruz verlegt, mit dem Ziel, den gesamten Seeverkehr des Archipels dort zu konzentrieren, was bedeutende ökonomische Konsequenzen für die Siedlungen an den anderen Häfen mit sich zog. Dieser Zentralismus blockierte jegliche Initiative zur Potenzierung anderer Hafenorte und die schweren Folgen dieser Strukturpolitik haben sich bis in unsere heutige Zeit ausgewirkt.
Im Verlauf der Jahre hat sich der Nutzen der Mole von Puerto immer mehr auf die Fischerei beschränkt, doch es wird geplant, die Hafenanlage 2007 zu erweitern. Das Ziel des Projektes ist die Dimension eines Fischer-/Sporthafens zu erschaffen, innerhalb des Projektes des zukünftigen Parque Maritimos, der ihn mit der Zone Playa Jardín verbindet.
Dieser historische Rückblick auf die Rolle, die der Hafen in der Gründung und Entwicklung der Stadt spielte, zeigt uns klar, wie dieser Ort als privilegierter Zeuge die wichtigsten Ereignisse von Puerto de la Cruz miterlebte. Von der wirtschaftlichen Blütezeit bis zu der jüngeren Geschichte des Fischerhafens hat sich uns die Mole von Puerto immer als ein sehr spezieller Ort präsentiert. Als Bühne träumerischer Erinnerungen inspirierte sie berühmte Reisende wie Marianne North, Olivia Stone, Elizabeth Murray und viele andere die gegen Ende 19. Jahrhundert bei ihren Spaziergängen ins Verzücken gerieten.
Hier befindet sich der improvisierte Treffpunkt der „Portuenses“, ein Ort, an dem man aufs Meer schaut und sich in seinen Gedanken verliert, Markt von Meersfrüchten, natürliches Territorium für die Einschiffung der Virgen del Carmen während der Schutzpatronfeste, traditionelles Terrain für Angelfreunde oder einfach ein Versteck für Kinder. Worin sich alle einig sind: es ist ein Ort, an dem man immer wieder zurückkehrt, an dem man es bei der Erledigung seiner Alltagsangelegenheiten immer schafft, vorbeizukommen, der Ort, an dem der Tourist ins Entzücken gerät und sich im Klang der Wellen verliert.
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Verfasst von lavictoria 
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